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Medizinstudiengang in Oldenburg

An der Oldenburger Universität wird derzeit darüber diskutiert, ob eine medizinische Fakultät aufgebaut werden soll. Eine Initiative Oldenburger Hochschullehrer und Mediziner wirbt intensiv dafür.

Wolfgang Wulf hat in einem Interview mit dem SPD-Ortsverein Oldenburg Mitte-Nord zu diesem Thema Stellung bezogen. Mit dem weiter unten stehenden Link ist das Interview aufrufbar.

Es folgt der Antrag der SPD.

Niedersächsischer Landtag − 16. Wahlperiode Drucksache 16/2864

Antrag
Fraktion der SPD Hannover, den 15.09.2010
Medizin-Studiengang an der Oldenburger Universität einrichten!
Der Landtag wolle beschließen:
Entschließung

Der Landtag fordert die Landesregierung bei einer positiven Entscheidung des Wissenschaftsrates für die Einrichtung des Medizinstudiengangs an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg auf,
– die Einrichtung einer European Medical School (EMS) in Oldenburg - in Kooperation mit der Universität Groningen - nachhaltig zu unterstützen,
– das Vorhaben der Oldenburger Universität, einen Bachelor/Master-Studiengang Medizin an der Hochschule einzurichten, durch geeignete Maßnahmen zu fördern,
– auf das Bundesgesundheitsministerium zur Erbringung eines positiven Votums für die Errichtung dieses Studiengangs offensiv einzuwirken,
– die Anschubfinanzierung für die Errichtung der EMS, der medizinischen Fakultät und die Entwicklung des Universitätsklinikums zu sichern,
– zu garantieren, dass der Studiengang zum Wintersemester 2011/2012 beginnen kann, damit bereits für den dann vorhandenen doppelten Abiturjahrgang in Niedersachsen hinreichend Medizin-Studienplätze zur Verfügung stehen,
– sicherzustellen, dass die Entwicklung der medizinischen Fakultät an der Oldenburger Universität finanziell und personell nicht zulasten der anderen Studiengänge und Forschungsschwerpunkte an der Hochschule geschieht und
– nach dem Auslaufen der Anschubfinanzierung eine dauerhafte Finanzierung dieses Studiengangs durch das Land bereitzustellen.

Begründung

Angesichts des immer offensichtlicher werdenden Ärztemangels in der Bundesrepublik und in Niedersachsen, besonders in ländlichen Regionen, ist es dringend erforderlich, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um diesem Mangel abzuhelfen. Zwar ist die regionale Versorgung in städtisch geprägten Regionen durchaus hinreichend, in der Fläche jedoch sind deutliche Mängel vorhanden. Insbesondere die Weser-Ems-Region ist vom Hausärztemangel besonders betroffen. Nach Erhebungen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) liegt bspw. im Landkreis Oldenburg der Versorgungsgrad bei Hausärzten bei gerade einmal 85,9 %, im Landkreis Emsland sogar nur bei 83,5 %. Beim Blick auf einzelne Facharztgruppen stehen mehrere niedersächsische Regionen vor besonderen Herausforderungen. Einige Beispiele: Die Region Peine ist nur zu 66,3 % mit Augenärzten versorgt, im Landkreis Lüchow-Dannenberg liegt der Versorgungsgrad bei Frauenärzten nur bei 81,2 %. In Salzgitter fehlen Kinderärzte. Dort liegt der Grad der Versorgung bei lediglich 85,2 %. Im Landkreis Cuxhaven fehlen Augenärzte (Versorgungsgrad 88,8 %) und Chirurgen (Versorgungsgrad 76,3 %).

Medizinabsolventinnen und -absolventen, die an den traditionellen Hochschulstandorten ihr Staatsexamen abgeschlossen haben, verbleiben zum großen Teil in der Region, in der sie studierten, bzw. gehen an in ihren Augen attraktive Standorte, besonders in größeren Städten. Auf der Strecke bleiben die ländlichen Regionen. So ist besonders der Nordwesten Niedersachsens bis auf die großen Städte mit Ärzten nur unzureichend versorgt.
Die Region Weser-Ems einschließlich des Bundeslandes Bremen ist darüber hinaus auch bundesweit deswegen benachteiligt, weil es die einzige Region in der Bundesrepublik ist, die nicht flächendeckend durch eine medizinische Fakultät mit Universitätsklinikum versorgt ist.
Diesem Mangel ist dringend abzuhelfen. Auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler, die Medizin studieren wollen, in andere Bundesländer abwandern, weil in Niedersachsen nicht hinreichend Studienplätze vorhanden sind, ist eine Investition in diesem Sektor notwendig.

Hier hilft kein Ausbau der bestehenden Standorte in Göttingen und Hannover, weil die Unterversorgung den Nordwesten betrifft. Andere Bundesländer haben deutlich mehr Hochschulstandorte mit medizinischen Fakultäten. Selbst deutlich kleinere Bundesländer als Niedersachsen haben mehr bzw. zumindest gleich viele medizinische Fakultäten, wie Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein. Aus diesem Grund ist in Niedersachsen ein dritter Standort mit universitärer Medizinausbildung notwendig.
Gerade vor dem Hintergrund des anstehenden doppelten Abiturjahrgangs in Niedersachsen ist es dringend erforderlich, dem vorhandenen Bedarf an Medizinstudienplätzen zu entsprechen, um Studierende in Niedersachsen zu halten. Vor dem Hintergrund, dass entsprechende Vereinbarungen der Länder zur Sicherung der Medizinstudienplätze auf sich warten lassen, ist es dringend erforderlich, in Niedersachsen zusätzliche Medizinstudienplätze zu finanzieren. Deswegen macht die Gründung einer medizinischen Fakultät in Oldenburg zusätzlichen Sinn.

Der Standort Oldenburg bietet sich dafür an, weil sich dort eine Initiative an der dortigen Carl von Ossietzky Universität und an den drei großen Kliniken entwickelt hat, die sich für die Errichtung einer EMS einsetzen. Das Klinikum Oldenburg, das evangelische Krankenhaus und das katholische Pius-Hospital haben sich gemeinsam bereit erklärt, im Fall einer positiven Entscheidung für die Errichtung einer medizinischen Fakultät in Oldenburg, ihre Eigenständigkeit aufzugeben und sich zu einem Universitätsklinikum zusammenzuschließen. Dort wären dann alle medizinischen Disziplinen, die traditionell ein Universitätsklinikum ausmachen, vorhanden. Dieses Klinikum würde mit zusammen 1564 Betten und 5050 Beschäftigten auch von der Größe her mit traditionellen Universitätskliniken mithalten können.

Mit der Errichtung einer medizinischen Fakultät an der Universität Oldenburg in Zusammenarbeit mit der Universität Groningen sind mit den drei großen Kliniken in Oldenburg zu einem gemeinsamen Universitätsklinikum die Voraussetzungen vorhanden, in Oldenburg eine moderne europäische Ausbildung zum Mediziner im Rahmen eines gestuften Bachelor/Master-Modells zu entwickeln.
Dieses Modell ist ein integratives System, das mit dem exponentiell zunehmenden Wissen im Bereich der Medizin umgehen kann, bei dem die humanistischen Traditionen und Grundwerte der Medizin bewahrt und gefördert werden. Auch die Persönlichkeitsbildung der Studierenden wird wieder eine zentrale Bedeutung erhalten. Zudem wird das Bolognaziel nach Mobilität und Vergleichbarkeit umgesetzt. In Zusammenarbeit mit der Universität Groningen ermöglicht dieses besondere Modell, das an bei-den Standorten realisiert werden kann, die ärztliche Versorgung im Nordwesten der Bundesrepublik nachhaltig zu sichern.

Stefan Schostok
Fraktionsvorsitzender

(Ausgegeben am 27.09.2010) 2

 

Medizinerausbildung an der Oldenburger Universität?

Ein Interview mit Wolfgang Wulf zum Medizinstudiengang in Oldenburg

Verfügbare Downloads Format Größe
Debatte im Nds. Landtag zum Medizinstudiengang Oldenburg am 29.06.2011 PDF 477 KB
Verfügbare Downloads Format Größe
Debatte um den Medizinstudiengang in Oldenburg PDF 286 KB
Verfügbare Downloads Format Größe
Pressespiegel zum Medizinstudiengang in Oldenburg aus 07/'10 PDF 80 KB
Verfügbare Downloads Format Größe
Pressemitteilung zu der Entscheidung des Wissenschaftsrates PDF 27 KB
 

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